Gewonnen, Verloren und doch als Gewinner abgezogen
von JasonDer Demoverlauf war ziemlich erwartungsgemäß, wenn man es rückblickend betrachtet. Die Planung war, dass die Gegendemonstrationen nur bis zur Pufferzone gehen und dann individuelle Aktionen folgen. Doch der Hauptzug ist ziemlich schnell und nahezu unspektakulär in die Sperrzone eingedrungen (nachdem allerdings schon auf der genehmigten Route Polizeisperren im Weg standen, die nicht gleich weg wollten).
An dieser Stelle haben dann auch die Verhaftungen begonnen. Wobei sich die Polizei da ja sehr gerne ausschweigt, was die betreffende Person getan haben soll. Ausser einer Handvoll fliegender Plastikflaschen habe ich jedenfalls nichts beobachtet, was als Strafttat gewertet werden kann. Dafür konnte ich allerdings gleich mehr als ein dutzend Verhaftungsaktionen der Polizei beobachten (Diese Aktionen bei denen ein schwer gepanzerter Trupp in die Menge reinrennt, merkt dass sie plötzlich von Hunderten eingeschlossen sind und sich von dem Rest der Hundertschaft rausholen lässt, alles für einen potentiellen Flaschenwerfer, der meist eh unschuldig oder die Schuld nicht beweisbar ist).
Vorne an der Polizeisperre mit 2 Wasserwerfern und einem Räumpanzer ging es dann erstmal recht friedlich zu (abgesehen von Polizeiaktionen). Aber eben auch nicht weiter. Da das durchbrechen dieser Sperre doch recht aufwendig und sehr gewalttätig geworden wäre, wurde darauf verzichtet und wir konnten unser Ziel zum Bahnhof zu kommen nicht mehr erreichen. Auf unserer Seite gab es Musik und gute Stimmung und die Polizei hatte auch den Chefkomiker ans Mikro gelassen: "Wir bewerten sie als Versammlung, das Stadtamt hat in diesem Bereich keine Versammlungen vorgesehen, wir erlauben ihnen aber mal hierzubleiben", etwa im 10-Minuten-Takt.
Um 14:00 wurde es dann konkreter. Die erste Durchsage war dabei aber noch Konsensfähig: "Es ist 14:00 Uhr". Einige Minuten später kam dann auch die eigentlich Aussage zur Zeitansage, wir sollten bitten die Straße freimachen, da die Nazis jetzt hier durch sollten. Neben weiteren Ingewahrsamnahmen gab es dann auch die Kraftprobe, als die Polizei versucht uns zurückzudrücken. Vergeblich, die Demonstranten hatten entschlossen zurückgedrückt. Bei dieser Situation (Straße besetzt, Ingewahrsamnahmen und kleinere Kraftproben) blieb es dann auch. Der einsetzende Regen sorgte dann auch für Abkühlung der teilweise schwitzenden Demonstranten, da sie auch Wasserwerfer vorbereitet waren und die Nachricht vom Abbruch der Nazidemo für Jubelrufe.
Wir haben zwar nicht den Bahnhof erreicht und die Demo komplett verhindert, aber von der bereits gekürzten Strecke haben wir nochmal die Hälfte besetzt gehalten. Und die 50-70 Nazis (Polizeiangaben/Eigene Berichte) waren auch sehr viel weniger als erwartet. Daher konnten wir uns erfolgreich zurückziehen und die Polizei mit ihrer Sperre sich selber überlassen.
Unser kleiner Haufen ist übrigens heile und vollständig rausgekommen, auf dem Rückweg wurden wir allerdings nochmal in eine Polizeiaktion verwickelt, in der 30 schwer gepanzerte und vermummte Polizisten drei Hannoveraner verhafteten und obwohl sich keiner der drei gewehrt hatte ziemlich hart rangegangen sind. Auf unser Nachfragen dann das übliche Spiel: Keine Angaben zu Gründen und Weigerung Dienstnummern rauszugeben.