Gehen
von JasonWer mich kennt weiss es ja meist schon: Ich habe einen etwas ausgeprägten Drang zum Gehen. Zwar nicht so extrem, dass ich hierfür oft das Haus verlasse, aber immer wenn ich Warten müsste, ziehe ich es vor stattdessen zu gehen.
Bestes Beispiel, weil gestern wieder passiert: Statt 5 Minuten an einer Haltestelle zu warten, gehe ich zur nächsten Haltestelle und kann direkt einsteigen. Wenn ich einen Treffpunkt ausmache, dann nicht an einem Punkt, sondern in einem Umkreis, weil ich eh nicht stillstehend warte.
Gehen ist für mich das Vermeiden von Stillstehen, so wie Rincewind das Laufen zur eigenen Philosophie ("Das Wohin ist nicht wichtig, sondern woher") erklärt hat. Für mich gilt: Stillstehen ist anstrengend und langweilig, Gehen ist entspannend und in gewisser Weise innerlich befreiend.
Gerade letzteres hat mich übrigens gestern zu der Theorie verleitet, Gehen könnte eine Form der Meditation sein. Was insbesondere Interessant ist, weil die üblichen Methoden (Liegen/Sitzen und alles entspannen) bei mir nicht funktionieren. Wenn ich mich im Sitzen oder Liegen entspanne, dann schlafe ich recht problem- und verzögerungslos ein.
Beim Gehen hingegen besteht idR keine Einschlafgefahr, mein Bewußtsein ist trotzdem unbeschäftigt und kann auf Tagträumen/Resetten umschalten – Gehen geht nach hinreichend langer Erfahrung per Autopilot, Rudimentäre Wegerkennung über die Augen lenkt auch nicht ab. Und wenn ich mal irgendwo ankomme wo ich noch nie war, hilft mir mein hinreichend verlässlicher Orientierungssinn. Perfekt: Meditationsgehen. Vielleicht sollte ich ein Buch darüber schreiben. Aber vermutlich hat das schon jemand getan.
Passenderweise muss ich auf dem Arbeitsweg gut zwei Kilometer pro Tag gehen. Denn den Weg zwischen Hauptbahnhof und Kröpke will ich nicht per U-Bahn zurücklegen…