Atheismus aktiv?

von Jason

Meinen persönlichen (Nicht-)Glauben habe ich ja schon das eine oder andere Mal kundgetan und vielleicht auch sogar schon das eine oder andere Mal ganz ohne Auslöser. Dies geschah meist als Reaktion auf irgendeinen durchgeknallten "wiedergeborenen" Christen in den USA. Ich selber fühlte mich bisher eher unbetroffen von der Kirche und Gläubigen (Auf die Gläubigen in meinem persönlichen Umfeld trifft das glücklicherweise auch weiterhin zu), da wir in Deutschland doch eigentlich aufgeklärtere Bürger haben. Oder doch nicht?

Insbesondere die letzten Woche haben mich davon ein wenig abgebracht. Eigentlich "brodelt" es sogar schon einige Zeit länger in mir. "Inspiriert" durch die Berichte des "friendly atheist" Hemant Mehta und des Biologie-Professors PZ Myers interessiere ich mich mehr dafür wie weit es mit der Trennung von Staat und Kirche hierzulande her ist. Dies betrifft hauptsächlich die sogenannte "negative Religionsfreiheit", also das Recht auf Abwesenheit von Religion für Einzelne und Gruppen. Ich will also von der Kirche und ihren Institutionen in Ruhe gelassen werden und ihnen auch kein Geld abgeben müssen. Über eventuelle Ausnahmen möchte ich selber entscheiden. Dies ist derzeit in Deutschland nicht möglich. Daher möchte ich mich in Zukunft verstärkt diesem Thema widmen.

Ich bin derzeit hauptsächlich auf der Suche nach Informationsquellen. Vereinigungen wie der IBKA, die Giordano Bruno Stiftung und der humanistische pressedienst sind gute Ansatzpunkte, aber irgendwie fehlt mir etwas Vergleichbares wie die beiden erwähnten US-amerikanischen Blogger. Kennt da jemand weitere Ansatzpunkte?

Auf Identi.ca habe ich derweil selber schonmal angefangen Informations-Schnippsel zum Thema weiterzuverbreiten.

Ein kleines PS: Interesanterweise teile ich meine Ansicht wohl auch mit der FPD in Bayern, die zwar zusammen mit der Kirchenpartei regiert, aber zumindest versucht Kirchenprivilegien abzuschaffen/einzuschränken.


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6 Reaktionen zu “Atheismus aktiv?”

  1. myself

    Ehm… inwiefern wirst Du denn von den Kirchen drangsaliert? ^^
    Ich könnte mir vorstellen, dass ein wenig vom Staat quersubventioniert wird, aber sonst fällt mir da spontan gar nix ein…

    rg
    olaf

  2. Jason

    Eine Stichwort-artige Liste habe ich unter http://www.c-peper.de/wiki/Atheismus_aktiv erstellt. Dort steht erstmal alles was ich so aus dem Kopf heraus blöd finde. "Demnächst" will ich Blogposts zu den einzelnen Punkte schreiben

    Das "bisschen" quersubventioniert beläuft sich einer Quelle zufolge auf ca. 20 Milliarden Euro. Darauf kommen dann nochmal die ca. 8 Milliarden Euro Kirchensteuer

    "drangsaliert" werde ich (bzw. meine Familie) ganz konkret in der Schule, im Kindergarten (sogar in zweierlei Hinsicht) und an Karfreitag.

  3. myself

    Nunja. Ich kenne mich auf dem Gebiet nicht so aus… sind besagte Kindergärten dann auch nur für die jew. Konfession zugänglich? Man weiß es nicht. Ich bitte zumindest zu bedenken, dass die Kirchen auch so einige Angebote bieten, welche nicht konfessionsgebunden und sozusagen "zum Wohle der Gesellschaft" sind. Okay, das machen andere Organisationen ganz ohne Staatshilfe auch. Aber daraus folgt zumindest, dass es nicht vollkommen verballertes Geld ist. Zugegeben habe ich mir schon hier und da mal Gedanken gemacht, wie die Bilanz zwischen Gutem und Schlechtem der Kirche(n) so ausfällt… und habe mich wohl wie zu meist auf ein Nullsummenspiel geeinigt.

    Insofern: Du hast das (moralische) Recht auf deiner Seite – aber die Welt hat weitaus dringendere Probleme.

    Rein aus Interesse… weiß man, wie es im vermeintlichen Gottesstaat USA um die Religionsfreiheit steht? Ich könnte drauf wetten, dass die darin vorbildlich sind.

  4. Jason

    Zum ersten: Kann ich dir nicht 100% sagen, weil wir zu dem Zeitpunkt auf dem Papier noch Christen waren. Aber eine Freundin von Marie aus dem Kindergarten ist meines Wissens Muslim. Ständig von Gott geredet und gebetet wurde trotzdem (evangelischer Ausprägung).

    Es gibt auch "zum Wohle der Gesellschaft" bei der Kirche, aber meist mit irgendeiner Form von Predigt, Missionierung oder Moralisch-Religiösem Zeigefinger verbunden. Und das sollte es nicht vom Staat finanziert geben. Ein Nullsummenspiel sehe ich da in keiner Hinsicht. Der Wohltätige Teil nimmt selbst bei der (teilw. legitimen) Kirchensteuer nur einen kleinen Teil in Anspruch.

    Es gibt bei fast allen Themen immer andere, dringendere Probleme. Aber man kann sich ja nicht nur mit Thema Nr. 1 beschäftigen und alle anderen liegenlassen.

    In den USA sieht es auf dem Papier wesentlich besser aus als hierzulande. Es gibt eine Trennung von Staat und Kirche in der Verfassung, die ist meist auch sehr gut einklagbar. Aber gesellschaftlich gibt es große Probleme. Ich kann da aber nur aus zweiter Hand berichten, deswegen verweise ich am Besten mal auf die beiden US-amerikanische Blogger, die ich oben verlinkt habe.

  5. myself

    > "Es gibt bei fast allen Themen immer andere, dringendere Probleme. Aber man kann sich ja nicht nur mit Thema Nr. 1 beschäftigen und alle anderen liegenlassen."

    In der Praxis sehe ich leider, dass sich quasi niemand mit "Thema Nr. 1" beschäftigt, und man auf vergleichsweise Nichtigkeiten im dreistelligen Themenbereich ausweicht. Dort bekommt diese Begründung leider eine recht zynische Note.
    Ich erinnere dabei an die Vegetarier-Veganer-Debatte: Natürlich kann und muss man darüber philosophieren, welche Auswirkungen Massentierhaltung auf Tiere hat. Aber welche Auswirkungen hat es denn insbesondere auf den Menschen? Es ist ein als massiv anzunehmender Grund, warum nachwievor Welthunger vorherrscht. Aber stattdessen wird auf recht zynische Weise darüber diskutiert, was Käfighaltung und Folter auf das vegative Nervensystem eines Tieres so für Auswirkungen hat. Hier wird also Thema Nr. 20 dem Thema Nr. 1 vorgezogen, obwohl die Grundlage eine gemeinsame ist. Das Argument, es gäbe immer dringenderes, kenne ich bereits bestens aus Tierschutzkreisen, und finde es aus eben diesem Grund gerade da besonders perfide. Natürlich ist es ein unrühmliches Bild, wenn tapsige Küken zerheckselt werden. Aber die moralische Konsequenz einer Rechnung entstehenden Leides wäre wohl eher, die offensichtlich ebenso unbrauchbaren "Drittweltbabys" auch zu zerheckseln, anstatt sie noch ein bisschen dahindarben zu lassen. Und hier sind wir einfach an einem Punkt, wo Tierschutz, obwohl ausbaubedürftig, dem "Menschenschutz" längst überlegen ist.
    Der Punkt ist also: Ob Karfreitag oder Atheismusgedenktag, wenn auch nur ein einziger, vom Tanzen gesetzlich abgehalten, sich zum Nachdenken genötigt sieht und vielleicht ein bisschen Einsicht zeigt, ist das Tanzverbot "außerordentlich" legitimiert.

    Im übrigen nehme ich das Statement trotzdem zurück. Nicht wegen der Grundaussage, sondern aufgrund der konkreten Überlegung, dass die Verbesserung der "demokratischen Voraussetzungen" ein guter Ansatzpunkt für "Thema Nr. 1 (2, 3, 4, …)" sein könnten. Ein mir willkommenes Abfallprodukt der Konfessionsdebatte, sozusagen.

    > (USA:) "Aber gesellschaftlich gibt es große Probleme."

    Nunja… deine Argumente beziehen sich bisher ja auf einen "voreingenommenen" Staat. "Die USA" sind aber traditionell gerade direktdemokrtisch und religionsunabhängig gestaltet. Das "große Problem" sind somit der Wählerwille (man kennt ja die einschlägigen kalifornischen Wahlvorlagen), und nicht ein ungleiches System. Es müsste sich also nun eine Demokratiekritik anschließen… ;-)

    Abschließend bitte ich um Entschuldigung, immer so negative Weltsichten zu verbreiten.

  6. Jason

    Warum der Hunger auf dieser Welt nicht gelöst wird ist mir auch ein Rätsel, weil es eigentlich nicht soo schwierig ist. Aber dem stehen u.a. wirtschaftliche und politische Interessen entgegen. In meiner anderen Wunschliste habe ich dazu auch noch was stehen.

    Vegetarismus kann dabei übrigens auch helfen. Denn viele Anbauflächen in armen Ländern werden für die Viehhaltung direkt oder für den Anbau von Futter indirekt für Fleischverbrauch in den reichen Ländern verbraucht. Genug Lebensmittel für alle sind da, aber nicht genug Fleisch für alle.

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