Petition zur Trennung von Staat und Kirche

von Jason

Moin!

Es geht (mal wieder) um die Trennung von Staat und Kirche. Der geneigte Leser mag sich erinner, dass mir dieses Thema etwas am Herzen liegt, insbesondere weil es in der Politik nicht vorkommt.

Nun gibt es seit heute eine Petition zur Trennung von Staat und Kirche im Petitionssystem des Bundestages.

Ich habe diese Petition mitgezeichnet, allerdings mit gemischten Gefühlen. Prinzipiell unterstütze ich das Vorhaben (daher die Mitzeichnung), aber der Petitionstext ist etwas zu weit, etwas zu kurz und etwas vorbeigezielt geraten.

Etwas zu kurz geraten, weil einige wichtige Punkte garnicht berücksichtigt sind. (Z.B. einige Punkte meiner kleinen Liste, die selber schon bei weitem nicht vollständig ist). Aber gut, wenn überhaupt angefangen wird, ist das ja auch schön.

Etwas zu weit gegriffen finde ich allerdings den Teil, in dem Religion scheinbar komplett aus der Öffentlichkeit verdrängt werden soll ("die Religionsausübung sollte sich auf das private Umfeld und natürlich die entsprechenden Gotteshäuser beschränken."). Das finde ich nicht in Ordnung. Zwar würde ich Religion gerne in einer unbedeutenden Ecke sehen, aber nicht per staatlicher Verordnung. Das muss durch Aufklärung und alternative Angebote geschehen (z.B. solche, die ohnehin in der Pflicht eines Staates stehen sollten).

Auch mit dem letzten Absatz kann ich nichts anfangen, der ist aber eher banal. Warum Rettungsdienste kirchlich organisiert sein sollen erschliesst sich mir nicht. "Kirche zur Gefahrenverhütung" verstehe ich gerade nicht auf Anhieb und Militärpfarrer halte ich auch nicht für sinnvoll.

Sehr weit daneben gezielt finde ich diese Petition, weil die meisten Verstrickungen zwischen Staat und Kirche auf der Ebene der Bundesländer stattfindet oder direkt im Grundgesetz verankert sind. Eine Petition an den Bundestag dürfte daher wenig bringen (wenn Petitionen nicht ohnehin ignoriert würden). Zum anderen habe ich mit einiger Deprimierung erfahren müssen, wie alle neuen Bundesminister mit "So wahr mir Gott helfe" vereidigt wurden (Bei der C[DS]U erwartet, bei der FDP aber überraschend, zumindest für mich). Die meisten Politiker stehen den Kirchen näher als deren Verankerung in der Bevölkerung entsprechen würde.

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In the beginning, man created God. - Jethro Tull


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6 Reaktionen zu “Petition zur Trennung von Staat und Kirche”

  1. Jason Peper (trublu) 's status on Monday, 02-Nov-09 20:45:05 UTC - Identi.ca

    [...] http://www.c-peper.de/wordpress/2009/11/02/petition_laizismus/ a few seconds ago from xmpp [...]

  2. Ben

    Also Berichte von Kameraden haben mir verdeutlicht, dass Militärpfarrer ziemlich sinnvoll sind. Die sind da ja in der Regel nicht einfach nur Pfarrer die stumpf ihre Gottesdienste/Messen abfeiern, wie es leider immer mehr Kirchenvertreter machen. Die sind meist auch Seelsorger und Vertrauensperson noch dazu. So helfen sie im Glauben denen die gläubig sind, aber auch ziemlich neutral denen die sich einfach nur mal ihre Sorgen von der Seele reden wollen. Und im Auslandseinsatz brauchen das so einige. Hier in Deutschland ist das überflüssig. Da kann man mit den örtlichen Gemeinden kooperieren. Wird z.B. auch so in der Gemeinde gemacht wo ich meine Grundausbildung erfahren habe. Aber im Auslandseinsatz braucht man halt Leute denen man vertrauen kann, wo man sich sicher fühlt, die die eigene Situation ein Stück weit nachvollziehen können, die auch das nötige Sprachvermögen haben und die halt vielseitig tätig sein können. Ein reiner Psychologe kann halt niemandem helfen der geistlichen Beistand braucht. Ein Pfarrer kann aber durchaus auch mal die Bibel bei Seite legen und relativ neutral mit einem reden.

  3. Andre

    Na Ben, dein letzter Satz ist aber mehr Wunschvorstellung, oder? Ich habe bisher keinen einzigen "Pfarrer" getroffen, der bereit waere einfach mal seinen Glauben zu vergessen um zu helfen.
    Helfen…
    Gerade das funktioniert bei den Meisten heute gar nicht mehr, weil einfach die Zeit nicht mehr da ist und auch der Frust bei vielen ueber die ganze Situation viel zu gross zu sein scheint.

    Grundsaetzlich wuerde ich die Petition auch unterstuetzen, allerdings halte ich mich von dem System fern und gehe lieber auf die Strasse. Dort kann ich dann auch diese "tollen" Rassisten blossstellen, die meinen Homosexualitaet sei eine Krankheit (gestern erlebt :-/ )

    So long…

  4. Jason

    @Ben: Dass die Militärpfarrer einen wichtigen Dienst leisten will ich nicht in Abrede stellen. (Allerdings bin ich eher dafür dass ihre Aufgabe unnötig wird, weil keine dt. Soldaten im Ausland sind, aber das ist ein anderes Thema).

    Ich bin allerdings der Meinung, dass "Seelsorge" auch ohne Rückgriff auf die Religion funktionieren kann. Ich kann nicht einschätzen ob die aktuelle Ausbildung der Psychologen dafür geeignet ist, bin mir aber sehr sicher, dass man das anpassen kann (Oder eine "neue" Berufsgruppe (er)finden, Psychologen haben ja eher andere Aufgabenbereiche)

  5. Ben

    @ Andre: Nein, das ist keine Wunschvorstellung, sondern eigene Erfahrung, die mir auch von anderen Kameraden bestätigt wurde.

    @ Jason: Also die derzeitigen KFOR/SFOR-Truppen finde ich schon sehr wichtig. Das Land muss von so vielen Minen befreit werden und immer wieder müssen Kleinstkriegereien gestoppt werden. Da ist eine vom Land selbst geregelte Lösung im Moment leider noch nicht wirklich realisierbar.

    Und klar muss Seelsorge auch ohne Rückgriff auf die Religion funktionieren können. Und das sagte ich ja bereits, dass das durchaus einige Militärpfarrer schaffen. Die sind dann einfach nur Mensch, wenn da einer nur weltlichen Beistand braucht. Das Problem bei einem Psychologen ist aber, dass er eben keinen geistlichen Beistand leisten kann. Und es gibt halt auch Soldaten die das brauchen. Daher finde ich da einen Militärpfarrer einfach den besseren Kompromiss.

  6. Edward

    Wenn wir schon bei Petitionen sind…
    Die hier ist auch sehr gut:
    http://twitgeridoo.wordpress.com/2009/11/13/petition-freier-zugang-zu-wissen-zeichnet-mit/

    Zeichnet mit! :)

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