Eine Tragödie in fünf Akten.
Nun zunächst einmal etwas ganz triviales: Meine Tochter braucht morgen für die Schule zwei Busfahrkarten für einen Ausflug. Urlaubsbedingt ist mein Tagesrhythmus etwas aus dem Tritt[0] und ich fahre also erst so gegen 22:00 Uhr in Richtung Vorverkaufsstelle (übrigens endlich wieder mit dem Rad unterwegs).
Die war aber leider gerade in Revision^W^W im Umbau und daher auch der dort üblicherweise befindliche Automat temporär abwesend. Aber gut, es waren auch Alternativmöglichkeiten angeschrieben, eine davon gleich auf der anderen Straßenseite, ein paar Hausnummern weiter. Nur doof dass das eine Einkaufsstraße ist und nur ca. jedes zehnte Haus eine Nummer trägt. Nur etliche Minuten später konnte ich dann den korrekten Kiosk abzählen und feststellen dass der geschlossen hatte.
Aber gut, es gibt ja noch den Hauptbahnhof (ja, der heißt hier tatsächlich so, ist wohl keine geschützte Bezeichnung), also eben den Drahtesel dorthin gelenkt, man ist ja noch fit. Nur doof dass der um diese Zeit schon von hochgeklappten Bordsteinen umrandet ist. Zur Sicherheit bin ich da trotzdem mal rein, aber ohne nennenswerten Erkenntnisgewinn. Also ab zum eigentlichen ZOB nebenan. Dort steht ein Automat. Ganz ohne umzubauendes Gebäude drumherum. Ich also schnell "Kinderkarte" gewählt und dann "weiteres Ticket wählen"…."weiteres Ticket wählen"…."weiteres Ticket wählen"…. Na gut vermutlich eingefroren, also abbrechen und vorn Vorne: "Kinderkarte", "weiteres Ticket wählen", "weiteres Ticket wählen"…. Nagut man kann die ja auch einzeln kaufen. "Bitte passend zahlen" – Hatte es eigentlich passend für zwei Ticket (2-Euro-Stück), aber gut zwei Fünfzigcentstücke konnte ich auch noch finden[1] – Nur leider ist der Geldeinwurfschlitz nicht freigegeben. Genausowenig wie das was ich für einen EC-Kartenschlitz gehalten habe.
Aber gut, es gibt ja noch die Hauptstelle von den Stadtwerken. Die liegt zwar etwas weiter in Richtung gefühlter Stadtrand, aber in jeder echten Stadt wäre das noch Fußgängerzone, also schnell hin. War nur alles zu und verriegelt und so ganz ohne Automat. Und irgendwie war das auch ganz erwartungsgemäß. Also zum Depot des Stadtverkehrs, ohne viel Hoffnung und vor allem ohne enttäuschte Hoffnung, also anschließend zurück in innerstädtischere Gefilde.
Es gibt ja auch noch herumfahrende Busse. Einen davon konnte ich dann auch in der Schuhstraße erjagen. Ich so: "Haben sie auch Vorverkaufskarten?", er so: "Nein, hier können sie nur direkt bezahlen". Ich so: "Und wo kann man denn welche bekommen?" und er so: "…".
Auf dem Rückweg dann noch die Öffnungszeiten von zwei Kiosken nachgeschaut bei denen ich dann morgen früh versichert bekommen werde dass es da wirklich nur Zeit- und Sammelkarten, aber keine Einzelfahrscheine zu kaufen gibt.
Es brauchte tatsächlich mein neues Smartphone um mich dringend zu versichern dass ich tatsächlich in der Zukunft lebe. Aber wie William Gibson vor langer Zeit schon feststellte ist die nicht gleichmäßig verteilt". Teile von Hildesheim haben noch nicht so viel davon abbekommen.
[0] Um 6:30 Uhr aufgestanden, aber wesentlich später aufgewacht.
[1] Geht das eigentlich nur mir so dass ich immer seltener Bargeld sehe, geschweige denn besitze?